20 Wanderfreunde beteiligten sich an der
Wanderwoche 2001 der Ortsgruppe Riedlingen des Schwäbischen Albvereins in der
Sächsischen Schweiz, einem Gebiet, das den meisten Teilnehmer unbekannt war.
Landschaftliche Besonderheiten der Sächsisch-Böhmischen
Schweiz sind die Kontraste zwischen den ausgedehnten Felsrevieren wie Bastei-,
Schrammstein-, Zschand- und Schmilkaer Gebiet, die sich durch starke Zerklüftung
und vertikale Gliederung auszeichnen, und den so genannten Ebenheiten, die vor
allem linkselbisch den Landschaftscharakter mit den markanten Tafelbergen
Königstein, Pfaffenstein, Zschirnsteine und Kaiserkrone prägen. Aber auch
rechtselbisch ist mit dem Lilienstein dieser Kontrast vertreten. Dazu kommt der
Landschaft bestimmende Einfluss der Elbe. Die einzigartige Sandsteinlandschaft
mit etwa 25 x 40 km Ausdehnung hat sich ihren typischen und ursprünglichen
Charakter als Wald-Felsen-Landschaft im wesentlichen bis heute erhalten. Seit
Herbst 1990 sind zwei natürliche Kernbereiche mit einer Fläche von ca. 9.500 ha
zum Nationalpark "Sächsische Schweiz" mit strengen Verhaltensmaßregeln erklärt
worden. Sowohl die maximalen als auch die durchschnittlichen Höhen des
"Gebirges" sind relativ bescheiden. Auf deutscher Seite erreichen nur wenige
Berge die 500 m-Marke, auf tschechischer Seite ist der Hohe Schneeberg mit 720 m
als höchste Elbsandsteinhöhe die große Ausnahme. Aber durch die Erosion der
Flüsse und Bäche entstanden beachtliche Höhendifferenzen zum 115 m "hoch"
gelegenen Wasserspiegel der Elbe; die eindrucksvollsten sind die 200 m zwischen
Basteiaussicht (305 m) und Elbe sowie die 300 m vom Lilienstein (415 m) zur
Elbe. Das Hotel "Deutsches Haus" in Kurort Gohrisch-Cunnersdorf war
Standquartier und erwies sich als gute Wahl.
Am Anreisetag wurde ein Spaziergang zur Erkundung des
Ortes durchgeführt. Am Montag fand die erste Wanderung statt, die von Kurort
Rathen über den Gamrig und den Füllhölzelweg ins wunderschöne Polenztal führte.
Der Fluss war früher bedeutsam für die Lachsfischerei, die Holzflößerei und den
Mühlenbetrieb. Mit dem Aufstieg über ca. 120 Höhenmeter durch die Wolfsschlucht
zum Hockstein mit Blick zur Burg und Ort Hohnstein war das anstrengendste Stück
Weges überwunden. Über den Knotenweg, an den Honigsteinen und Amselsee vorbei
wurde der Ausgangspunkt wieder erreicht. Die Wanderung am nächsten Tag führte zu
den wohl meistbesuchten Stellen des Elbsandsteingebirges, der Bastei und der
Festung Königstein. Von Stadt Wehlen aus führte der Wanderweg durch den Wehlener
Grund und Zscherregrund zum Steinernen Tisch, einem ehemaligen Rastplatz für
feine Jagdgesellschaften des 19. JH. Über die Bastei als dem bekanntesten und
eindrucksvollsten Aussichtspunkt der Sächsischen Schweiz mit herrlichem Blick
auf die Elbe und die umliegenden Höhen sowie die Felsenburg Neurathen kam die
Gruppe nach Kurort Rathen zurück. Am Nachmittag wurde die 1241 erstmals erwähnte
Festung Königstein besichtigt, die mehr als 200 Meter über der Elbe liegt. Bis
1631 entstanden die meisten der heute noch vorhandenen Bauten und
Verteidigungsanlagen. Die Festung diente der Unterbringung der Staats- und
Kunstschätze, den sächsischen Fürsten- und Königsfamilien als Zufluchtsort bzw.
zu Festlichkeiten, aber auch als Staatsgefängnis. Berühmtester Gefangener war
Johann Friedrich Böttger, der auf dem Königstein 1706/07 statt Gold das
europäische Porzellan "erfand". Der Besucher muss drei Zugbrücken, drei große
Tore sowie zwei in Fels gehauene Aufgänge passieren, ehe er das Festungsplateau
erreicht. Ein bequemer Weg von 1.700 m Länge führt wie auf einem riesigen
Aussichtsturm rund um das Plateau. Die Gebäude lassen erkennen, dass die Festung
eine kleine Stadt mit eigenen Gesetzen, Gerichtsbarkeit, Wasserversorgung,
Standesamt und Marktplatz war. Die Wanderung am dritten Tag konzentrierte sich
auf das Affen- und Schrammsteingebiet. Vom Ausgangspunkt Bad Schandau fuhr die
Gruppe mit der Kirnitzschtalbahn, einer 1898 in Betrieb genommenen und über eine
Fahrstrecke von 8 km zwischen Bad Schandau und dem Lichtenhainer Wasserfall
verkehrenden Straßenbahn, zur Haltestelle Beuthenfall. Stetig ansteigend wurde
der Fuß des Bloßstockes und der Affensteine erreicht, wo die erste Gruppe über
die Untere Affensteinpromenade zum Großen Schrammtor wanderte. Die zweite Gruppe
erreichte über den Königsweg den Aussichtsfelsen Frienstein mit Blick in die
Hintere Sächsische Schweiz. Der Weg führte anschließend weiter über den
Reitsteig, Zurückesteig, Breite Kluft und dem Schrammsteingratweg zu den
Schrammsteinaussichten, dem mit 417 m höchsten Punkt der Schrammsteine, der
infolge Erosion aus der ehemals bis zu 600 m starken Sandsteinplatte geformten
Sandsteine. Sie bieten wahrscheinlich neben der Bastei die großartigste Aussicht
des "Gebirges". Das Große Schrammtor, der Treffpunkt mit der ersten Gruppe,
wurde über den Jägersteig mit vielen steil hinabführenden Steigleitern erreicht.
Über den Obrigensteig führte der gemeinsame Weg zurück nach Bad Schandau. Diese
Wanderung konnte man als den Höhepunkt der Wanderwoche bezeichnen obwohl die
Wanderung am Donnerstag, die die Gruppe nach Tschechien führte, kaum nachstand.
Die Wanderung führte von Hřensko aus zum Prebischtor, dass mit 21 m Höhe und 30
m Spannweite die größte natürliche Sandsteinbrücke Europas bildet und von drei
Aussichtspunkten lohnende Ausblicke bietet, zur Siedlung Rainwiese und zur
Ortschaft Stimmersdorf. Die sich anschließende Edmundsklamm, eine einzigartige
Schlucht durch den Fluss Kamenz entstanden, ist nur mit dem Kahn zu passieren;
der Rest des Weges nach Hřensko wurde wieder zu Fuß zurückgelegt. Der letzte Tag
der Woche diente ausschließlich der Besichtigung von “Elbflorenz”. Neben den
barocken Bauten, den Museen mit ihren wertvollen Sammlungen und der Elbe, die
sich unverändert fotogen durch die Stadt schlängelt, prägen die
Hinterlassenschaft von Krieg und Sozialismus immer noch deutlich das Stadtbild
Dresdens. Es flossen schon zu DDR-Zeiten Milliarden in die Restaurierung des
Zwingers, der Semperoper und anderer prächtiger Bauten. Nirgendwo in Dresden ist
das höfisch-barocke Erbe Augusts des Starken schöner, üppiger und
eindrucksvoller als im Zwinger, diesem opulent dekorierten "Festplatz unter
freiem Himmel". Seit der Wende versucht Dresden verstärkt an die Zeit
anzuknüpfen, in der es zu den Kunstmetropolen Europas gehörte. Bauwerke wie das
Residenzschloss, das Japanische Palais oder die Kunsthochschule wurden und
werden aufwendig restauriert. Private Investoren machten und machen aus den
Ruinen, die noch immer mitten in der Stadt stehen, stolze Palais. Aus dem
einstigen Schutthügel der Frauenkirche wird mit großem Engagement und
erheblichen privaten Mitteln Stein für Stein wieder George Bährs barockes
Meisterwerk. Bis zum 800-jährigen Stadtjubiläum im Jahr 2006 soll die
restaurierte Frauenkirche wieder Dresdens Elbsilhouette komplettieren. Auf der
Brühlschen Terrasse flaniert man schon heute wieder wie im 19. JH.